Buchcover: bunte Zeichnung mit zwei Mädchen, ein Mädchen hält eine Maus in der Hand, sie lachen (Quelle: Klett Verlag)
Bild: Klett Verlag

OHRENBÄR-Redakteurin Sonja Kessen stellt vor: - "Das Lachen wohnt im Bauch"

Im "Lesestoff" vom rbb Kulturradio stellt OHRENBÄR-Redakteurin Sonja Kessen regelmäßig Kinder- und Jugendbücher vor. Heute: "Das Lachen wohnt im Bauch" von Petra Fietzek, für Kinder ab 7 Jahren.

Fröhlich lachen die beiden Mädchen auf dem Cover dieses besonderen Kinderbuches – unbeschwert, glücklich, vertraut. Dass sie schon viel Trauriges erlebt haben, sieht man ihnen nicht an. Dass sie Eltern, bzw. Mutter verloren haben, dass sie keine Freundin hatten, das alles ahnt man nicht. Denn zum Glück haben sie einander nun gefunden. Meret heißt die eine, Annabelle die andere. Meret wächst bei Frau Hafelbein auf, liebevoll Mamili genannt. Mamili ist eine starke, einfühlsame Frau, die für Ruhe und Stabilität sorgt in der ersten schweren Zeit des Verlustes. Sie nimmt Meret mit und lässt sie gleichnishaft den Kreislauf der Natur erleben. Sie hat genau im Blick, wann es Zeit ist für Meret, sich wieder anderen Kindern zu öffnen. Meret braucht eine Freundin, findet sie, und schickt Meret auf die Suche.

Also schreibt Meret eine Liste mit allen Mädchen aus ihrer Klasse und für den Notfall auch mit zwei Jungen. Doch sie merkt schnell, dass Freundschaften nicht am Reißbrett entstehen. Helena und Sophie sind beste Freundinnen und einander genug, Jule hat vor allem Sport im Kopf, Katrin dagegen kreist nur um sich selbst. Es bleibt noch die blasse Annabelle, die oft Angst hat und weint. Es ist mehr ein Zufall, dass die beiden sich annähern. Aber dieser Zufall nimmt junge Leser mit in den Erkenntnisprozess, wie Meret versteht, dass der Funke der Freundschaft anders überspringt als im Listenabstreichen: dass es um ein tiefes Gefühl des Wiedererkennens geht, um gemeinsame Erlebnisse und Erfahrungen, dass man sich gar nicht erklären muss, weil man sich versteht und auch das Bedürfnis hat, sich zu verstehen.

Autorin Petra Fietzek schreibt unaufgeregt und lebenserfahren über diesen Prozess und findet starke Bilder für ihr Thema. In dem Moment, in dem Meret denkt, dass Annabelle gleich wieder "losheult", passiert genau das Gegenteil: Meret muss weinen und Annabelle hält ihre Hand fest. Das können wir lesen und auch sehen. Denn Illustratorin Marine Ludin setzt mit farbenfrohem naiven Strich Motive und Figuren um. Wort und Bild zeigen hier wie gute Freunde gemeinsam: Das Lachen wohnt in diesem Buch.