Buchcover: ein Großvater, der Wolken mit einem Besen kratzt, mit einer Maus in einem Ballon (Quelle: Annette Betz Verlag)

OHRENBÄR-Redakteurin Sonja Kessen stellt vor: - "Der Wolkenkratzer schwingt die Bürste"

Im "Lesestoff" vom rbb Kulturradio stellt OHRENBÄR-Redakteurin Sonja Kessen regelmäßig Kinderbücher vor. Heute: "Der Wolkenkratzer schwingt die Bürste" von Hubert Schirneck und Ina Hattenhauer, für Kinder ab 5 Jahren.

Was ist denn das für ein Wolkenkratzer auf dem Cover des Bilderbuches? Kein hohes Haus, sondern ein älterer Herr, der vom Korb eines Heißluftballons aus beflissen mit einem Besen eine Wolke schrubbt …
So geht es munter weiter, denn hier werden bildliche Bezeichnungen beim Wort genommen und in ihre wahre Berufung überführt: Ein Seeräuber ist mitnichten ein Pirat, sondern einer, der Seen klaut. Ade, See. Der Taschenmesser misst den Leuten die Taschen und ist nicht zu verwechseln mit dem Küchen- oder Teppichmesser. Und der Sekundenkleber? Der klebt natürlich kaputte Sekunden und arbeitet dabei sehr gut mit dem Sekundenzeiger zusammen.

Ein Blick in die Werkstatt

Zwölf erstaunlich verrückte Berufe nimmt Autor Hubert Schirneck hier genau unter die Lupe. Auf jeder Doppelseite kommt er nüchtern und lakonisch sofort zum Wesentlichen, stellt die Besonderheiten heraus und dreht am Ende die Ideen-Schraube bis zum Anschlag. Die besten Freunde des Regenschauers sind nicht nur Schnee- und Hagelschauer, nein, nach Feierabend schreibt so ein Schauer gerne Schauermärchen.
Was vordergründig wie Nonsens wirkt, ist eine hintergründig-eindrückliche Sprachbetrachtung. Geläufige bildliche Bezeichnungen werden beim echten Wortsinn genommen. So kommt man dem doppelten Wortsinn anschaulich auf die absurden, mitunter aberwitzigen Spuren.
In den Bildern von Illustratorin Ina Hattenhauer findet diese Sprachbetrachtung ihre kongeniale Entsprechung. Hattenhauer dichtet sogar mit dem Zeichenstift noch weiter. Schaut man sich den Zitronenfalter in seinem knallgelben Schmetterlingshemd an, dann sieht man nicht nur, wie er die Zitronen nach Anleitung faltet, sondern hinter ihm an der Wand auch sein Diplom zum Staatlich geprüften Zitronenfalter mit dem Prädikat "Alter Falter". An der Seite steht ein Tiegel Faltencreme und der Falter heißt? Walter!
Die Berufstätigen sind hier jeweils so in ihre Arbeit vertieft, dass sie uns Betrachter nicht angucken. Wir Betrachter können wie bei einem Blick in die Werkstatt in aller Ruhe Bild und Text auskundschaften.

Auch wenn die einzelnen Episoden erzählerisch knapp gehalten und inhaltlich so witzig sind, ist dies tatsächlich ein Bilderbuch, das geeignet ist für Kinder ab fünf Jahren und älter. Es gibt tolle Impulse für diejenigen, die den Sprachspielereien auf so hohem Niveau schon folgen können und mit eigenen Ideen loslegen wollen.