Buchcover mit Fanny Furios, im Hintergrund Freunde und eine Katze (Quelle: Dressler Verlag)
Bild: Dressler Verlag

- "Fanny Furios – Ich bin mal schnell die Welt retten"

Im "Lesestoff" vom rbb Kulturradio stellt OHRENBÄR-Redakteurin Sonja Kessen regelmäßig Kinder- und Jugendbücher vor. Heute: "Fanny Furios – Ich bin mal schnell die Welt retten" von Ariane Grundies, für große Geschwister ab 9 Jahren.

Eigentlich wollte Fanny sich um die Plastiktüten der Welt kümmern – Schluss mit der Vermüllung der Meere, Start frei für den FVGD! Fanny gründet den "Furiosverein für Gerechtigkeit und gegen Dummheit" und wird gleich seine Vorsitzende.

Ein Verein mit strengen Regeln und hohen Ansprüchen soll es sein, den die Mitglieder glaubwürdig verkörpern wollen. Das bringen sie mit so originellen wie gewagten Aktionen zum Ausdruck. Da kommt Fanny ausgerechnet mit dem neuen Mitglied Jeannette, genannt Netti, ungewollt eine Konkurrentin in die Quere und ihre hehren Ziele – immer gerecht, nie dumm zu sein – geraten ins Wanken …

Mit ihrem Kinderbuch legt Autorin Ariane Grundies kein stürmisches, sondern ein sehr eindrückliches Debüt hin. Fanny Furios ist eine sympathische, quicklebendige Heldin, die uns als Ich-Erzählerin in all ihre Irrungen und Wirrungen mitnimmt. So kann sie uns nicht verheimlichen, wie ungerecht sie mit Netti umgeht, die fast gewitzter ist als sie selbst, auf jeden Fall aber schon viel gefestigter. Plötzlich geraten alte Freundschaften auf den Prüfstand, vertraute Koordinaten tragen nicht mehr, das Leben steht Kopf. Aus der Perspektive der "Täterin" erleben wir mit, wie Fanny gegen ihr Gewissen handelt und Lügen über Netti verbreitet, ja, anfängt, sie zu mobben. Starke Schuldgefühle und integre Freunde lassen sie einen Reifeprozess durchlaufen: Sie entschuldigt sich aufrichtig bei Netti und erklärt ihr Verhalten. Dass diese Erzählung ohne Konstruktion und Kitsch gelingt, liegt an der ruhigen Handschrift der Autorin, die ganz dicht an der vorpubertären Gefühlswelt der unterschiedlichen Kinder entlangschreibt. Die Vereinsgründung ist ein literarischer Kunstgriff, der die äußere Handlung etabliert, um die innere Handlung spiegeln zu können. Denn auch die äußere Handlung ist geprägt von Grenzüberschreitung und Provokation, alles zwar im harmlosen Rahmen, aber typisch für Kinder, die gerade zu Jugendlichen heranwachsen: Political Correctness lässt sich mit Sprüchen rigide vertreten – persönlich pc zu sein, ist nicht immer so einfach. Genau darin liegt die Stärke des Buches, weil Fanny zeigt, wie sie nicht nur die Welt, sondern auch ihre Welt retten kann.