Buchcover, mit einem Mann in Gefängniskleidung, der ein großes 'B' nach oben hält und verschwindet (Quelle: Klett Kinderbuch)
Bild: Klett Kinderbuch

OHRENBÄR-Redakteurin Sonja Kessen stellt vor: - "Haltet den Die ! Das verrückte ABC der geklauten Buchstaben"

Im "Lesestoff" vom rbb Kulturradio stellt OHRENBÄR-Redakteurin Sonja Kessen regelmäßig Kinder- und Jugendbücher vor. Heute: "Haltet den Die ! Das verrückte ABC der geklauten Buchstaben" von Horst Klein für Kinder ab 6 Jahren.

Der Autor und Illustrator Horst Klein legt Hand an das Alphabet.

Frech grinst der Gauner im Gefängnisanzug dem Betrachter des Buches entgegen, als er auf dem Cover das B aus dem Wort Dieb klaut. Und so geht es weiter: Vom A bis zum Z greift er zu. Da fehlt der Bauchtänzerin plötzlich das A – sie wird zur Buchtänzerin. Die Kuscheldecke ohne D ist … eine Kuschelecke! Und zu Silvester sprühen statt Funken ohne F nur? Olle Unken!
So fröhlich wie pointiert legt Autor und Illustrator Horst Klein mit seinem Dieb Hand an das ehrwürdige Alphabet. Dabei wird die Ordnung aber nicht chaotisch durcheinandergewirbelt. Klein führt gezielt durch Veränderung und Sinnstiftung im Spiel mit Worten – Buchstabenklau und Wortspielerei nennt es die Polizei, die nach dem Dieb fahndet.
Die Bilder bringen witzig und ohne ein Zuviel auf den Punkt, was dieser im Reim anrichtet. Sie sind nicht gefällig dem Kinde zugewandt, sondern mit rauem, energischem Strich cartoonhaft zugespitzt. Die Schriftart wird für Leseanfänger eher ungewohnt sein. Gut, dass das Stilprinzip, das schon auf dem Cover Anwendung findet, durchgehalten wird: Das bestohlene Wort sowie der geklaute Buchstabe sind rot hervorgehoben. 
Das ist hilfreich, denn der Praxis-Test mit echten ABC-Schützen hat gezeigt, dass ein solches Buch für Erstklässler mit etwas Leseerfahrung ein Türöffner sein kann zur reichen, schier unüberschaubaren Welt der Buchstaben. Die Bilder sind ein fabelhafter Einstieg, um sich dem Lesen der Reime zu stellen.
Bild, Wort und Hintersinn wecken die eigene Kreativität – da braucht es die indirekte Aufforderung am Ende des Buches kaum noch, selbst neue Wörter zu bilden. Der Dieb öffnet seinen Sack und verteilt das Diebesgut an die Kinder um ihn herum. Jedes bekommt einen Buchstaben, drei Kinder halten ihre gleich zusammen hoch und … AUS. Das Konzept geht auf.