Buchcover: eine bunte Zeichnung mit Katze und Maus (Quelle: cbj Verlag)
Bild: cbj Verlag

OHRENBÄR-Redakteurin Sonja Kessen stellt vor: - "Warum Kater Konrad ins Wasser sprang und eine Maus in die Luft ging"

Im "Lesestoff" vom rbb Kulturradio stellt OHRENBÄR-Redakteurin Sonja Kessen regelmäßig Kinder- und Jugendbücher vor. Heute: "Warum Kater Konrad ins Wasser sprang und eine Maus in die Luft ging" von Sabine Ludwig, für Kinder ab 8 Jahren.

Warum Kater Konrad freiwillig ins Wasser springt? Damit aus dem Konrädchen endlich der Konrad wird!

Als Nesthäkchen, Muttersöhnchen und Streber wider Willen hat der kleine Kater es nicht einfach. Das will er ändern. Denn lustig ist es nicht für ihn, dass seine Mutter ihn noch jeden Tag in die Schule bringt und sogar seinen Ranzen trägt, weil der für ihn zu schwer sein soll. Spott und Hohn bei seinen Klassenkameraden sind ihm sicher, zumal er auch noch als guter Schüler beim Lehrer beliebt ist.
Da kommt ihm, trotz des anfänglichen Schreckens, die keck-kokette Maus Marie Antoinette ganz recht: Eigentlich als köstlich fette Biomaus auf seinem Schulbrot gedacht, steckt sie voller Leben und Ideen und reißt Konrad im wahrsten Sinne des Wortes mit in das große Abenteuer, das sie zusammen zu bestehen haben.
Mit Kater Konrad, der sich emanzipieren will, hat Kinderbuchautorin Sabine Ludwig eine überaus sympathische Figur geschaffen. Kindliche Leser werden schnell merken, dass er ein prima Kerl ist, in dem ungeahnte Kräfte und Fähigkeiten schlummern. Die individuelle Entwicklungsgeschichte bettet Ludwig in eine übergeordnete ein: So, wie Kater Konrad mit Vorurteilen zu kämpfen hat, so gibt es in der Katzenwelt auch ein erklärtes Feindbild.

Das sind die Hunde, die auf der anderen Seite des Flusses leben, Würger, Schüttler und Beißer allesamt, werden junge Katzen von älteren gewarnt. Dass sie selbst dort als Augenauskratzer verteufelt werden, ahnen sie nicht. Der Fluss gerät zum Sinnbild für tradierte Vorurteile; ihn gilt es zu überwinden, wie man auch die eigenen Grenzen überwinden muss, will man sich befreien. Der moralische Impetus sättigt die Fabel, ohne literarisch moralinsauer oder konstruiert zu sein.
Witzig schreibt Ludwig, mit hohem Tempo, absurden Situationen und komischen Typen. Gekonnt nimmt Illustratorin Astrid Henn die vielfältigen Farben der Erzählung in ihren Bildern auf und setzt sie auf schräge, dabei atmosphärisch starke Weise um.

Vom winzigen Detail bis zur großformatigen Fläche ist sie ganz bei Kater Konrad und Maus Marie Antoinette. Dass das abenteuerliche Spiel mit Klischees nicht in einem Klischee endet, macht dieses Kinderbuch zudem so empfehlenswert. Ob Katzen und Hunde sich jemals verstehen werden, das bleibt offen. Dass das verlachte Konrädchen zum Helden Konrad reift, das zeigt sich deutlich und ist eine Ermutigung für alle Kinder, die vielleicht auch ein Quäntchen zu stark behütet werden.

Hier gibt es weitere Lese-Empfehlungen!

Buchcover, mit einem Mann in Gefängniskleidung, der ein großes 'B' nach oben hält und verschwindet (Quelle: Klett Kinderbuch)
Klett Kinderbuch