Buchcover (Quelle: Beltz & Gelberg)
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OHRENBÄR-Redakteurin Sonja Kessen stellt vor: - "Alma und Oma im Museum"

Im rbbKultur "Lesestoff" stellt OHRENBÄR-Redakteurin Sonja Kessen regelmäßig Kinder- und Jugendbücher vor. Heute: "Alma und Oma im Museum" von Nikolaus Heidelbach, für Kinder ab 6 Jahren.

Unverkennbar: Die zwei auf dem Cover sind Oma und Enkelin! Die Ältere – strenger graumelierter Dutt, in dem Pinsel und Stift stecken – blickt aus einem Bilderrahmen zur Jüngeren hinunter – ebenfalls streng die Haare hochgebunden und mit zwei fluffigen Schleifen geschmückt. Beide in grün und rot gewandet, beide mit bequemen Sneakern ausstaffiert – man sieht sofort, dass sie nicht nur gut für den Museumsbesuch gerüstet sind, sondern, dass sie auf einer Wellenlänge schwingen.
Als die Großmutter Alma mit der Idee überfällt, ins Museum zu gehen, ist die kleine Ich-Erzählerin zwar nicht sofort hellauf begeistert, sondern kommentiert lapidar, dass sie noch gar nicht wisse, ob sie auf Museum Lust habe. Aber die resolute Oma geht einfach los und im Vertrauen auf ein Abenteuer geht Alma natürlich doch gerne mit.

Abenteuer Museum

Und ein Abenteuer gelingt Illustrator und Autor Nikolaus Heidelbach! Er fängt die museale Atmosphäre wunderbar ein, die hohen Räume, das gedämpfte Licht, die sakrale Stimmung – Ort und Gemälde sind dem Kölner Wallraf-Richartz-Museum nachempfunden. Stracks geht die Großmutter hier in die Mittelalter-Abteilung. Anspruchsvoll für ein Kind? Durchaus.
Gut, dass die Oma gleich darauf hinweist, dass man im Museum nicht alles auf einmal sehen kann. Lieber sucht man sich etwas Kleines aus und guckt sich das genau an. Damit verschwindet sie und taucht in neun der insgesamt sechzehn religiösen Bilder wieder auf: Alma und die Leser müssen sie suchen! Das macht Spaß und spornt an, die komplexen Kunstwerke zu betrachten. Gleichzeitig lässt sie sich auch über den Audioguide hören und bleibt mit Alma im Gespräch. Es ist das Kind, das Tempo und Themen vorgibt.
Die Ältere lacht nicht bei Fragen oder Missverständnissen: Woher ein Maler wusste, wie die heilige Maria aussah? Er wusste es nicht, ist ihre Antwort, aber er konnte es sich vorstellen. Warum so viele Menschen zusammen in einem Becken baden? Sie baden nicht, sie werden getauft. Warum wird so wenig gelacht? Gruselig sind die Teufel und Drachen und der gekreuzigte Jesus …

Auf Augenhöhe

Eindrucksvoll zeigt Heidelbach, dass Kunstvermittlung bei Kindern nicht über Belehrung funktioniert, sondern über Bindung: Bei Alma weckt die Großmutter spielerisch das Interesse und den Wunsch, am künstlerisch-kreativen Kosmos teilzuhaben. Sie lässt sich suchen, sie begleitet, sie klärt auf, wohldosiert, spannend und auf Augenhöhe ihrer Enkelin. Das klappt so gut, dass die Magie ihres gemeinsamen Abenteuers sogar noch beim anschließenden Besuch im Museumscafé nachhallt. Dort werden sie von einem echten Engel bedient …