Buchcover mit bunter Zeichnung: junge Frau und junger Mann vor einer Wand mit Graffiti (Quelle: Urachhaus)
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OHRENBÄR-Redakteurin Sonja Kessen stellt vor: - "Battle"

Im "Lesestoff" vom rbb Kulturradio stellt OHRENBÄR-Redakteurin Sonja Kessen regelmäßig Kinder- und Jugendbücher vor. Heute: "Battle" von Maja Lunde, für Jugendliche ab 14 Jahren.

Amelie hat alles, was man sich als junges Mädchen wünscht: einen Freund, eine Clique, Tanztalent und Geld. Bis eines Tages ihre Welt aus den Fugen gerät.

Bei diesem Battle fliegen Füße, keine Fäuste! Tanzschülerin Amelie, 17 Jahre, reich, schön, begabt, trainiert voller Ehrgeiz an einer renommierten Ballettschule in Oslo. Ihr Leben ist von der Sonne beschienen, in ihrer Clique ist sie beliebt – da wird ihr plötzlich der Boden unter den Füßen weggezogen. Ihr Vater geht in Konkurs, die Gerichtsvollzieherin versiegelt die Villa, die Familie ist draußen. Sie kommt in einer kleinen Wohnung in einem ärmlichen Vorort unter.
Amelie hofft, dass dieser Niedergang nur vorübergehend ist und von ihren Freunden unbemerkt bleibt. Mit aller Kraft versucht sie, ihre Misere zu vertuschen. Lüge reiht sich an Lüge. Mit einem Mal ist ihr Leben kompliziert, konfus, kaputt.
Der Tanz hilft ihr, zu überstehen. Und mehr: Die Krise stellt für sie nicht nur Familie und Freundschaft auf den Prüfstand, sondern auch den von ihr bislang trainierten Tanzstil. Sie wendet den Zusammenbruch in einen Umbruch und findet tänzerisch neuen Ausdruck und beeindruckende Intensität.

Virtuose Inszenierung

Als Adoleszenzroman verhandelt "Battle" Identitäts- und Sinnsuche, Krisen- und Initiationserlebnisse sowie erste Liebeserfahrungen innerhalb des komplexen Kosmos des Tanzes. Das, was zunächst etwas konstruiert und klischeehaft wirkt – reiches Mädchen wird arm, landet von der Villa mit Pool in der Trabantenstadt, kommt von den Snobs zu den Gangstern und vom Ballettsaal in die Battle-Arena – zeigt sich mehr und mehr als virtuose Inszenierung.
Autorin Maja Lunde erfasst mit ihrem Thema eines, das im Jugendbuch kaum vorkommt. Dabei lässt sie durch ihre Ich-Erzählerin Amelie das Tanzen so lebendig werden, dass Schmerzen, Ehrgeiz, der Wunsch, sich künstlerisch auszudrücken, ganz nah kommen. Lunde verknüpft verschiedene Lebensläufe, erzählt von Brüchen und Scheitern, vom Hoffen und Hinterfragen, von Kampf und Kraft und letzten Endes von Zuneigung und Zuversicht.
Dramaturgisch spannend angelegt zielt alles auf den großen Showdown ganz am Schluss: auf den Battle in der Trabantenstadt. Ob Amelie ihn gewinnt bleibt offen. Dass aber die Liebe siegt, das steht fest.

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Buchcover mit bunter Zeichnung: ein weiß gekleideter Mann mit Petroleumlampe schaut in eine Schatztruhe (Quelle: Kleine Gestalten)
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