Buchcover: bunte Zeichnung mit einem Mädchen, das mit den Händen ein Herz macht, und einem Jungen, der mit dem rechten Daumen noch oben zeigt; dahinter ein riesengroßes Smartphone (Quelle: Tulipan Verlag)
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OHRENBÄR-Redakteurin Sonja Kessen stellt vor: - "Carlotta, Henri und das Leben. Mama ist offline und nix geht mehr"

Im "Lesestoff" vom rbb Kulturradio stellt OHRENBÄR-Redakteurin Sonja Kessen regelmäßig Kinder- und Jugendbücher vor. Heute: "Carlotta, Henri und das Leben. Mama ist offline und nix geht mehr" von Anette Beckmann, für Kinder ab 7 Jahren.

Die Auswirkungen der Digitalisierung in Wort und Bild beschrieben von Anette Beckmann und Marion Goedelt.

Eine Woche Ferien heißt für Carlotta und Henri: faulenzen, daddeln, zocken. Die Mutter, ein echter Medienjunkie, hat nichts dagegen – der Vater aber schon. Brettspiele, Radiohören und ab und zu mal fernsehen stehen auf seiner angestaubten Agenda. Weil das nicht nach dem Geschmack der Geschwister ist, wollen sie ihm einen Streich spielen. Dabei entgleitet ihnen das Smartphone der Mutter, es fällt in die Toilette und muss in die Reparatur. Der neue Laptop ist noch nicht installiert, das Tablet verliehen – die Familie ist offline! Was nun?

Spiegel für die Eltern

Ganz direkt zielt Autorin Anette Beckmann gleich zu Beginn des Buches auf den Kernkonflikt ihrer Geschichte, den sicher viele Familien kennen werden. Unterschiedliche Meinungen zu Medienausstattung und -nutzung prallen aufeinander, verschiedene Erziehungskonzepte müssen immer wieder ausbalanciert werden, je nach Entwicklung von Kind und Technik. Gut, dass Beckmann sich auf die Mutter als internetsüchtige Figur kapriziert. So wird kein Kind vorgeführt und gleichzeitig Eltern ein Spiegel vorgehalten: Welches Vorbild geben sie in puncto Medienkonsum ab?

Gelungenes Wechselspiel

Dass es auf diese Fragen keine schwarzweißen Antworten geben kann, zeigt Illustratorin Marion Goedelt in der optischen Gestaltung des Stoffes. Ihre Bilder sind nicht Beiwerk, sondern spinnen den Erzählfaden weiter. So ergibt sich ein Wechselspiel zwischen Text und Bild, die Handlung wird durch kurze Informationen angereichert, Erzählung und Sachtext gemischt. Als "digital natives" finden Kinder heute intuitiv und schnell heraus, wie Spiele oder Anwendungen funktionieren. Dazu brauchen sie keine Erklärungen. Aber was Begriffe und Zusammenhänge bedeuten, wird ihnen nicht geläufig sein. Was heißt eigentlich digital genau? Was online, offline, surfen, App, Cloud oder World Wide Web? Woran erkennt man, ob man handy- oder internetsüchtig ist? Ist man zappelig, will immer erreichbar sein, zockt Nächte durch und kann sich nur schwer konzentrieren?

Gut aufheben!

Mal comichaft, mal vielschichtig-filigran gezeichnet und collagiert tragen auch die Bilder dazu bei, dass die Geschichte nicht mit dem pädagogischen Zeigefinger fuchtelt. Sie wägt auf Augenhöhe mit Lesern im Grundschulalter ab, was dran ist am digitalen Zauber. Dass er das echte Abenteuer und das pralle Leben mit Familie und Freunden nicht ersetzen kann, auch dafür finden Beckmann und Goedelt einen gelungenen Dreh. Und dass man im Gespräch bleiben sollte, dazu fordern sie ihre kleinen und großen Leser am Ende des Buches auf: "What’s up?" heißt die Checkliste, in der jeder selbst gefragt ist, sich Gedanken und Notizen zu machen zum eigenen Umgang mit Medien. Wo sieht man Gefahren? Und wohin kann es in Zukunft gehen? Was für Entwicklungen könnte es im Laufe der nächsten zehn Jahre geben? Also, Buch gut aufheben und später checken, wie visionär man gewesen ist!

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Buchcover mit bunter Zeichnung: ein weiß gekleideter Mann mit Petroleumlampe schaut in eine Schatztruhe (Quelle: Kleine Gestalten)
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