Buchcover mit bunter Zeichnung: Räuber Hotzenplotz mit Pistole und Säbel (Quelle: Thienemann Verlag)
Thienemann Verlag
Bild: Thienemann Verlag Download (mp3, 5 MB)

OHRENBÄR-Redakteurin Sonja Kessen stellt vor: - "Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete"

Im "Lesestoff" vom rbb Kulturradio stellt OHRENBÄR-Redakteurin Sonja Kessen regelmäßig Kinder- und Jugendbücher vor. Heute: "Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete" von Otfried Preußler, für Kinder ab 6 Jahren.

Den Räuber Hotzenplotz sollte man auf den Mond schießen, schimpft Seppel. Ist der Kerl doch wieder aus dem Spritzenhaus ausgebrochen! Auf den Mond schießen?

Das ist die Idee! Flugs machen sich Kasperl und Seppel daran, eine Rakete aus Pappe zu bauen und diese samt Seil und Kartoffelsack auf dem Handwagen zu verstauen. So ziehen sie durch den Wald und überbieten sich gegenseitig mit lautstarkem Krakeel, wer von ihnen beiden mit der Rakete zum Mond fliegen und sein ganzes Silber einsacken darf. Denn aus was sonst besteht der Silbermond? Die beiden haben geahnt, dass der Räuber Hotzenplotz im Waldesdickicht auf der Lauer liegt und gierig zuschlagen wird …

Ein neuer Hotzenplotz!?

Überschaubar linear wird diese Geschichte erzählt, vom Verlag als Sensationsfund angekündigt – ein neuer unbekannter Hotzenplotz sollte fünf Jahre nach dem Tode Otfried Preußlers die Kinderzimmer erobern. Zunächst eroberte die Meldung das altehrwürdige Feuilleton, die Spannung auf den posthumen Fund stieg und dann kam alles ein bisschen anders. Denn so neu und unbekannt ist diese Episode nicht. Bereits 1967 und 1969 ist sie unter jeweils anderem Titel in verschiedenen Anthologien erschienen. Allerdings als fünfseitiges Theaterstück. Susanne Preußler-Bitsch, Historikerin und Nachlassverwalterin des literarischen Vermächtnisses ihres Vaters, hat sich daran gewagt, das Stück erzählerisch auszuschmücken.

Eine fröhlich-leichte Geschichte

An den epischen Atem, die Formenstärke, die Komplexität, mit der Otfried Preußler seinen Hotzenplotz-Stoff in drei Bänden entwickelte, an den Witz, die fatalen Wendungen und gepfefferten Dialoge reicht das Büchlein nicht heran. Keine schwarze Magie, keine Abgründe im Miteinander – dafür aber eine heitere, fröhlich-leichte Geschichte, die für jüngere Kinder bestens geeignet ist. Das ist genau die Zielgruppe, die Preußler damals auch vor Augen hatte.
Illustrator Thorsten Saleina glückt zudem das Wagnis, die historischen Figuren, die F. J. Tripp einst in markanten, schwarz getuschten Federzeichnungen zeigte, zu modernisieren. Weicher, kulleräugiger, lebendiger und vor allem bunt sind sie nun und runden die Geschichte charmant ab.

Sicher ist: Dem Hotzenplotz hätte die Räuberpistole um die Veröffentlichung gefallen! Und inhaltlich wird er mit dem Büchlein in Ergänzung zum Hauptwerk bei den Kindern punkten.

Zum "Lesestoff"-Archiv

Buchcover, bunte Zeichnung: George, ein dunkelhäutiger Junge, auf einer grünen Wiese, schaut auf eine Erdnuss in seiner rechten Hand (Quelle: Neukirchener Verlag)
Neukirchener Verlag