Buchcover, bunte Zeichnung: George, ein dunkelhäutiger Junge, auf einer grünen Wiese, schaut auf eine Erdnuss in seiner rechten Hand (Quelle: Neukirchener Verlag)
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OHRENBÄR-Redakteurin Sonja Kessen stellt vor: - "Ein Professor für die Erdnuss"

Im "Lesestoff" vom rbb Kulturradio stellt OHRENBÄR-Redakteurin Sonja Kessen regelmäßig Kinder- und Jugendbücher vor. Heute: "Ein Professor für die Erdnuss" von Dagmar Petrick, für Kinder ab 10 Jahren.

Pflanzenerforscher, Erdnusserfinder, Menschenfreund – George Washington Carver trotzte allen Hindernissen, die ihm das Leben in den Weg stellte.

"Alles, was ich mache, soll anderen nützen" – das ist George Carvers Credo. Er hat es sich hart erarbeitet und führt es sein Leben lang in Demut und Bescheidenheit aus. In Missouri um 1860 in der Sklaverei geboren, ist er als Waisenkind zunächst nur Carvers George. Es gelingt ihm gegen alle Widerstände, die Chancen des gesellschaftlichen Wandels zu nutzen und nach der Abschaffung der Sklaverei wirklich ein freier Mensch zu werden: Professor Doktor George Washington Carver.
Zart und kränklich ist der kleine George, der schon früh musisch-naturwissenschaftliche Begabung und riesigen Wissensdurst zeigt. Er erforscht die ländliche Umgebung auf eigene Faust und legt einen geheimen Garten an, in den er gleich zu Beginn eine kleine rote Blume einpflanzt. Wie sie wohl heißt? Die Suche nach ihrem Namen führt als Leitmotiv durch seine wechselvolle Geschichte. Der Frage nach ihr begegnen wir immer dann, wenn für Carver Abschied und Neuanfang anstehen.
Kaum vorstellbar, dass er sein Alter nicht wusste, weil niemand seinen Geburtstag aufschrieb. Kaum vorstellbar, dass schwarzen Kindern der Zugang zu Schule und Bildung verwehrt sein sollte. Kaum vorstellbar, dass er mutterseelenallein aufbrach und fortan im Unterwegs zu Hause blieb, immer mit dem Wunsch, mehr zu lernen, mehr zu erfahren, mehr weiterzugeben.
Was für ein packender Stoff für Kinder im Jahr 2018! Autorin Dagmar Petrick bringt ihnen eine ferne Zeit ganz nah. Anschaulich und anspruchsvoll erzählt sie Carvers Abenteuer. Sie spart so manch drastische Szene nicht aus, in der deutlich wird, wie hart das Leben für Schwarze gewesen ist.
Genauso erzählt sie von helfenden Händen und liebevollen Menschen, die den aufstrebenden Gelehrten in den richtigen Momenten unterstützen. Gottvertrauen, Erfindungsreichtum und Durchhaltevermögen bringen Carver dazu, u. a. Malerei, Botanik, Gartenbau und Chemie zu studieren.
300 Nutzen der Erdnuss findet er heraus – vom Shampoo über Färbe- und Bleichmittel, Butter, Öl, Düngemittel, Creme, Tinte bis hin zum Klebstoff – und gibt der Landwirtschaft des Südens, die ganze Landstriche durch die Monokultur der Baumwollanpflanzung ausgelaugt hat, den wichtigen Impuls: Die kleine Erdnuss wird zum großen Wirtschaftsfaktor. Aber sie blüht gelb.
Was hat es nur mit der kleinen roten Blume auf sich? Das erfahren wir bis zu Carvers Tod und dem Ende des Buches nicht. Das Motiv wird zum Symbol für die Magie des Lebens, dessen Rätsel wohl nie endgültig gelöst werden können.

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Buchcover mit bunter Zeichnung: ein weiß gekleideter Mann mit Petroleumlampe schaut in eine Schatztruhe (Quelle: Kleine Gestalten)
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