Buchcover: schwarz gezeichnete Mädchenköpfe, Hintergrund ist altrosa (Quelle: Gabriel Verlag)
Gabriel Verlag
Bild: Gabriel Verlag Download (mp3, 5 MB)

- "How to be a girl"

Im "Lesestoff" vom rbb Kulturradio stellt OHRENBÄR-Redakteurin Sonja Kessen regelmäßig Kinder- und Jugendbücher vor. Heute: "How to be a girl" von Julia Korbik, für Jugendliche ab 13 Jahren.

Die Berliner Journalistin und Autorin Julia Korbik ist überzeugte Feministin und mit ihrem ersten Buch "Stand Up. Feminismus für Anfänger und Fortgeschrittene" 2014 bekannt geworden. Mit ihrem neuen Buch wendet sie sich nun den jüngeren Leser*innen zu.
"Was das Girl ausmacht, das entscheidest ganz allein du!", teilt Autorin Julia Korbik ihrer jungen Leserin gleich im Vorwort mit. Denn sie hat keine Gebrauchsanleitung zum Mädchensein geschrieben, sondern einen informativen Guide durchs Dickicht aktueller Begrifflichkeiten und komplexer Zusammenhänge.
Gender, Bodyshaming, Self Empowerment
? Davon haben Teenager sicher schon gehört – aber wissen sie auch, was wirklich mit diesen Schlagworten gemeint ist?

Ein Manifest schreiben

Voller Elan gibt Korbik in fünf Kapiteln Auskunft zu den Themen Identität, Körper, Emanzipation, Diskriminierung und Frauenbewegung. Jedes Kapitel bezieht verschiedenste Aspekte mit ein und vertieft sie in abwechslungsreichen formalen Varianten.
Längere Sachtexte wechseln ab mit Kurzporträts von historischen und heutigen Frauen- und Mädchenpersönlichkeiten, fiktive Heldinnen aus Film und Literatur werden präsentiert, dazu Tipps, Zitate, Listicles, Handlungsaufforderungen à la "Ein Manifest schreiben" oder "Freundinnenschaft versus Girl Hate" und Checklisten "Wie du Sexismus im Alltag erkennst" oder "9 Arten, sich politisch zu informieren".

Aufgeklärte, tatkräftige Mädchen

Die direkte Ansprache, der frische Impetus lassen den Funken sofort überspringen: Hier brennt eine Autorin für ihr Thema. Sie positioniert sich klar als Feministin und schafft zudem eine Nähe zu 13-, 14-jährigen, weil sie in der Welt der Bloggerinnen zu Hause ist. Sie lamentiert nicht über den visuellen Sog von Social Media und Selfie-Sucht, sondern zeigt, wie man digitale Medien nutzen kann. Dass sie dabei ein Buch vorlegt, das auf Text und Information setzt und fast ohne optische Reize auskommt, ist grandios.
So muss hier jede selbständig die Augen öffnen und sich ihr eigenes Bild machen: Beschwere ich mich nur über Gegebenheiten, trage ich sie sogar unbewusst mit? Oder gucke ich hin und engagiere mich für ein gleichberechtigtes Leben. Denn – das ist en passant die wichtige Botschaft des Ratgebers – die Frauenbewegung hat ihre historischen Peaks, aber sie bleibt im Fluss. Darum sind aufgeklärte, tatkräftige Mädchen als Steuerfrauen immer vonnöten. Auch in diesem Moment.

Zum "Lesestoff"-Archiv

Buchcover mit bunter Zeichnung: junge Frau und junger Mann vor einer Wand mit Graffiti (Quelle: Urachhaus)
Urachhaus