Buchcover: bunte Zeichnung auf grünem Grund, Storch und Hase auf Rädern (Quelle: Gerstenberg Verlag)
Gerstenberg Verlag
Bild: Gerstenberg Verlag

OHRENBÄR-Redakteurin Sonja Kessen stellt vor: - "Paul und Opa fahren Rad"

Im "Lesestoff" vom rbb Kulturradio stellt OHRENBÄR-Redakteurin Sonja Kessen regelmäßig Kinder- und Jugendbücher vor. Heute: "Paul und Opa fahren Rad" von Karsten Teich, für Kinder ab 4 Jahren.

Paul ist wenig begeistert, als er seinen Opa auf dem Bauernhof besuchen soll. Damit kein Missverständnis entsteht: Opa ist prima, aber "draußen auf dem Land" nicht so. Was kann man dort schon erleben – ohne WLAN, Kino, Schwimmbad oder Eisdiele?

So viel, dass Paul aus dem Staunen bald kaum noch herauskommt. Mit Opa bringt er ein rostiges altes Kinderfahrrad auf Vordermann und es wird richtig spannend – für Paul und alle Kinder, die sich im Detail noch nicht mit Fahrrädern beschäftigt haben und die nun zugucken können, was alles zum sicheren Rad und Radfahren gehört. Ganz nebenbei entblättert sich das Buch nämlich als kleiner literarischer Fahrradratgeber, der für ein Bilderbuch ausführlich erzählt und erklärt.

Spannung in Bild und Text

Autor und Illustrator Karsten Teich ist auf beiden Ebenen witzig und informativ zugleich. Gelungen ist schon der Kunstgriff, Opa und Enkel nicht als Menschen, sondern als hageren Storch und pummeligen Hasen zu zeigen. So nimmt der kindliche Betrachter die Botschaft nicht 1:1, sondern hat viel freie Projektionsfläche – ein typisches Merkmal von Teichs Ligne-Claire-Stil, zu dem neben den vereinfachten Figuren auch klare Linien, präzise Konturen, flächige Kolorierung und naturgetreue Details gehören.
Die Figuren sehen lustig aus, die Szenen sprühen nur so vor Ideen, viele Details sind deutlich im Bild: Fahrradflickzeug, Schrauben, Muttern, Werkzeuge z. B., aber zeitliche Abfolgen sind oft aufgehoben. Betrachtet man, wie Paul die erste Runde auf dem reparierten Rad dreht, dann ist da alles nebeneinander zu sehen: seine wilde Jagd durch die Hühner, sein Sturz kopfüber in den Heuhaufen neben dem Schuppen und auch den langbeinigen Opa, der den Überblick behält und gleich notiert, was noch fehlt: Bremsen, Helm und Klingel.

Endlich geht's los – Tour mit kommunikativem Potential

Dann geht es endlich auf große Fahrt. Vom Haus über Straße, Feldweg, Berg zum See, so verrät es die Landkarte, über die Paul und sein Opa fahren. Der Kleine vorweg, rechts am Straßenrand, der Große sicher hinterher. Es folgt eine Doppelseite, die immer wieder zum genauen Anschauen einladen wird: Das Chaos des Verkehrs, die vielen Eindrücke, die ungefiltert auf Neulinge einströmen: Straßen, Situationen Verkehrsschilder – da können Kinder viel fragen, Eltern viel erzählen.
Vor allem in den Doppelseiten steckt kommunikatives Potential. Mal hat Opa einen Platten – Schritt für Schritt wird gezeigt, wie man einen Fahrradschlauch flickt. Ganz einfach, ganz anschaulich, kinderleicht zu merken! Mal ziehen verschiedenste Räder vorbei. Tandem, Mountain Bike, Einrad, Rennrad, auch ein Eiswagen mit Fahrradantrieb … alles ist dabei.

Fahrradfahren macht Spaß und überrascht mit lauter echten Erlebnisse, kein bisschen langweilig!