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OHRENBÄR-Redakteurin Sonja Kessen stellt vor: - "Randvoll mit Glück" von Monika Feth

Der Weg zum Glück kann steinig sein. Das erleben Suri und ihre Brüder Bjarne und Erik, als die Mutter zum neuen Freund zieht. Dessen Tochter Amy freut sich: endlich Geschwister! Wie es ist, mit Patchwork-Familie, Down-Syndrom, Eifersucht und allem Neuen umzugehen, erzählt Monika Feth jenseits von Klischees in einer spannenden Doppelperspektive.

Die beiden 12-jährigen Mädchen Suri und Amy erzählen uns im steten Perspektivwechsel aus ihrer Sicht und damit ganz persönlich, wie sich ihre Patchwork-Familie zusammenwürfelt. Während Suri und ihre Brüder mit Ablehnung auf die Überrumpelungstaktik ihrer Mutter reagieren, zügig bei ihrem neuen Freund einzuziehen, ist Einzelkind Amy völlig aus dem Häuschen: arglos, neugierig, voller Freude auf die Geschwister.

Eine neue Familie zu formen ist nicht einfach

Die Rahmenbedingungen sind feudal: Amys Vater ist Schlossverwalter. Suris Mutter zieht mit ihren drei Kindern in ein Nebengebäude ein. Es gibt Platz, Natur, Pferde, Hunde, keine materiellen Sorgen. Aber es ist trotz allem nicht einfach, eine neue Familie zu formen. Durch das ideale Setting gelingt es, konzentriert Bindung und Beziehung zu fokussieren.
Da sich die Kinder zuvor nicht kannten, sind sie nun unvermittelt mit allen Eigenheiten konfrontiert. Amy hat das Down-Syndrom. Wir erfahren von ihr, wie belastend es ist, immer etwas zu langsam, immer ein Sorgenkind zu sein und immer noch auf einem Fahrrad mit drei Rädern fahren zu müssen. Uncool! Wir erleben, wie gefühlsstark sie ist, wie fröhlich, liebesfähig, unvoreingenommen – mal bis ins Mark erschüttert, mal randvoll mit Glück. Von Suri erfahren wir, wie sie sich von dieser Persönlichkeit weggedrängt fühlt. Auch wenn sie reflektiert, sich mit den Brüdern bespricht, Lösungen finden will. Es nervt sie, dass sich alles nur um Amy dreht. Sie ist so laut, hemmungslos und will ihr offensichtlich sogar die beste Freundin wegschnappen!

Die Autorin scheut keinen Gedanken, kein Gefühl

Autorin Monika Feth scheut keinen Gedanken, kein Gefühl. Ruhig spricht sie durch ihre Protagonistinnen das manchmal Unaussprechbare aus. Für junge Lesende ist das ein Ventil. Es tut gut, sich ehrlich mit allen familiären Facetten auseinandersetzen zu dürfen, ohne sofort korrekt sein zu müssen. Die Figuren sind keine erwartbaren Typen, sondern komplexe, äußerst lebendige. Die Handlung spitzt sich gegen Ende dramatisch zu. Alle Mitglieder der Patchwork-Familie haben daran ihren Anteil. Die gemeinsame Erfahrung der Krise hilft jedem Einzelnen, das neue Leben nicht nur anzunehmen. Jeder Einzelne hat es wirklich schätzen gelernt.