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OHRENBÄR-Redakteurin Sonja Kessen stellt vor: - "Weißt du, wo die Liebe wohnt?"

Auf diese einfache Kinderfrage wissen Lisa Weisbrod und Nini Alaska viele Antworten – die alle eines heißen: Die Liebe hat keine Adresse wie du und ich, sie wohnt den Dingen inne. OHRENBÄR-Redakteurin Sonja Kessen hat sich das eindrucksvolle Bilderbuch angesehen.

Eine harmlose Frage bildet den Auftakt zu einem Rundgang durch das Sein der Liebe: Tom steht am Lesesessel seines Großvaters, der es sich gerade mit Büchern, Tee und Katze gemütlich gemacht hat. Aber aus der Lesestunde wird nichts, denn Tom ist unzufrieden mit Opas Antwort. Die Liebe wohnt nicht? Sie hat keine Adresse? Keine Telefonnummer? Wie und wo kann man sie denn dann sehen?
Nun nimmt sich der Großvater alle Zeit und zeigt seinem Enkel, was er meint. Und so nennen und zeigen Autorin Lisa Weisbrod und Illustratorin Nini Alaska den jungen Betrachtenden ihres Bilderbuchs, dass die Liebe nicht an einem Platz wohnt, sondern vielmehr allem innewohnt: Gefühlen, Gerüchen, Geschmack, aber auch Ermahnungen, Regeln oder Vorkehrungen. Wunderbar konkret geben sie Kindern den Anschluss: Die Liebe steckt im Kuscheln mit der Mutter, im Duft der frisch gewaschenen Bettwäsche, im Lieblingsessen, das der Vater kocht. Aber auch zwischen den Zeilen von Briefen oder in ausgesprochenen Sätzen wie "Ich hab dich lieb" oder "Pass gut auf dich auf". Sie zeigt sich auch im Entschuldigen und Verzeihen unter echten Freunden.
Ein abstraktes Thema wie das Wesen der Liebe zu konkretisieren, scheint nicht einfach. Und doch gelingt es den beiden Schöpferinnen mühelos. Zum Tragen kommt zum einen die Erfahrung als Erzieherin. Die Autorin weiß, wie man mit Kindern in den Austausch geht. Sie führt die schönen Dinge an, nennt aber auch Situationen, die im echten Leben vielleicht nerven oder unverständlich sind. Das Tragen von Fahrradhelm oder warmer Mütze hat seinen Ursprung in liebevoller Fürsorge. Zum anderen entfaltet sich das handwerkliche Verständnis der Illustratorin: Die Liebe strömt in Herzen überall hervor, als Blätter am Baum, als Wassertropfen aus der Gießkanne, Hustensaft auf dem Löffel oder Kekse auf dem Backblech. Das ist überhaupt nicht kitschig, sondern wahrlich herzerwärmend – wie auch die warmen Farben und das pudrige Weiß die Aussage des Textes aufnehmen.
Trotz der vielen Beispiele, die in kurzen Sätzen festgehalten werden und in versetzten Bildsequenzen ineinander übergehen, ist das Bilderbuch unaufgeregt und konzentriert. Es bietet unzählige Gesprächsanlässe beim Betrachten und schließt mit dem tiefsinnigen Resümee, dass die Liebe zwar keine Adresse hat und doch in allen Häusern wohnt, in denen Menschen ihr die Tür öffnen.